Interstellar Overdrive – INTERSTELLAR SCOUT

INTERSTELLAR SCOUT – Nils Schmidt

Beim Interview mit Herr Topolinski haben sich ein paar Faktoren der Wahrnehmung, welche das Wohlbefinden und die Emotionen am meisten beeinflussen herauskristallisiert. Form und Material spielt eine sehr wichtige Rolle bei einem Raumschiff und scheint sich bei echten Beispielen aufgrund des technischen Stands noch nicht weiter entwickelt zu haben. Jedoch auch bei fiktiven Beispielen der Unterhaltungsindustrie, mit welchen Herr Tololinski sehr gut vertraut ist, sind die Formen der Raumschiffe noch sehr nah an den unseren. Dies könnte sein, da die meisten Medien relativ alt sind im Vergleich zur Geschwindigkeit des Fortschritts oder die anderen Fiktionen leichter zu glauben sind, wenn das Schiff aussieht wie man es kennt. Bei „Star Trek – The Next Generation“ sind die Materialien schon mehr wie in einem bekannten Wohnhaus und nicht rein Funktional, was die Aufenthaltsqualität schon wesentlich steigert. Ein unendliches Labyrinth von aufeinanderfolgenden Räumen, welche in ihrer Reihenfolge relativ schwer zu verstehen sind geben einem jedoch wieder das Gefühl, sich in einer riesigen Machine zu befinden. Die Gestaltung der Formen und Materialien im Innenraum basiert auf Rundungen und natürlichen Stoffen der Erde, hat aber durch die Perfekten Rundungen, Symmetrien und Oberflächen einen immer noch übernatürlichen Charakter. Auf der Erde versuchen wir Gebäude oft in diesem Stil zu gestalten und Bauen, dabei hebt es sich aber von der fast unkontrollierbare Aussenwelt der Natur und freien Individuen ab, welche auch beinahe zufällig ein und austreten. In diesem Kontrast gibt uns eine perfekte Gestaltung Ruhe und Sicherheit, da wir die Aussenwelt sehen, wissen wie sie ist und keine Mangelerscheinungen an Natürlichem haben. Im Weltall fehlen viele von diesen Faktoren und wir sehnen uns nicht nach Ordnung vor dem Willkürlichen, denn die Leere schreit nach Ordnung und Gleichmäßigkeit. Auch die Menge der Einflüsse, welche auf uns wirken sind wesentlich geringer als auf der Erde und wahrscheinlich auch wesentlich zu wenig. Der Mensch ist zwar nicht mehr aus Überlebensgründen auf seine Sinne und die damit verbundene Menge an Einflüssen angewiesen, jedoch wie bei den meisten unserer Fortschritte noch nicht weit genug um nicht mehr emotional von ihnen Abhängig zu sein. Wenn ein Mangel an Einflüssen herrscht und der Mensch beginnt sich leer zu fühlen, sollte der Ort an dem er sich befindet, nicht durch eine auf der Erde als ästhetisch geltende Gestaltung beeinflusst werden, wenn diese am eigentlichen Nutzungsort garnicht mehr zutrifft. Auch wenn bei heutigen Raumschiffen viele Gestaltungsfragen rein pragmatisch entschieden werden, sollten wir uns doch die Frage stellen war genau das Ziel ist und in welchem Verhältnis gesparte Ressourcen und errechnete Vorteile zur geistigen Gesundheit der Besatzung stehen. Nicht nur aus philosophischen Gründen der Würde des Menschen, sondern auch unter ökonomischen Gesichtspunkten kann die Gesundheit selbst für einen reinen Finanzier wirtschaftlicher sein. Wie stark der Einfluss der Emotionen auf eine Person und ihre Arbeitshaltung ist, ist natürlich sehr unterschiedlich. Manche von diesen hängen vom biologischen Aufbau des Hirns ab und sind schwer oder fast garnicht zu verändern, andere sind nur Gewohnheit und könnten trainiert werden. Dass es einen Einfluss gibt, und fast jede Person ab einem bestimmten Punkt der Last der Emotionen unterliegt und arbeitsunfähig oder sogar lebensunfähig wird ist für psychologische Verhältnisse fast sicher. Um diesen Vorgängen entgegen zu wirken soll der Mensch durch verschiedenen Mittel von Material, Form und Farbe im Zusammenspiel an die Erde erinnert werden, aber gleichzeitig auch eine Auseinandersetzung mit dem Aussenraum entstehene. Dieses Verhältnis von Einflüssen könnte eine positive und belastungsfähige Beziehung zum Raumschiff erzeugen und somit die Besatzung ohne oder mit wenig Mangelerscheinungen der Erde transportieren und vielleicht sogar ein natürliches Verhältnis des Menschen zum Weltall erzeugen, auch wenn eine solche Veränderung normalerweise Jahrhunderte dauert.

Aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl und zunehmenden technischen Fortschritts beim der Personenbeförderung wird das reisen zwischen Planeten oder Raumstationen sehr wahrscheinlich immer normaler werden und für eine größere Menschengruppe nutzbar. In welchem Ausmaß und wie erschwinglich es sein wird ist noch unmöglich zu sagen, jedoch für den Fall dass es eine Herkömmlichkeit von Bahn fahren bekommt ohne ein Schienennetz nutzen zu müssen, wäre der Idealfall, dass sich Menschen ihr Raumschiff selber Bauen können, wie ein Floß oder ein Zelt. Der Fortschritt der Technik zeigt sich darin, wie allgemein zugänglich viele eigentlich Komplizierte Dinge sind. Da die Grundfunktionen des Menschen sich auch in der Zeit eines solchen technischen Fortschritts nicht wesentlich Ändern werden, wird ein Großteil der Menschheit in seinem Anteil des technischen Verständnis der Dingen der Welt gleich bleiben. Nur die Fachleute werden aufgrund des exponentiellen Fortschritts wesentlich weiter in ihrem Wissen und Können sein. Somit wäre es wichtig, dass diese Techniken entwickeln, welche die allgemeine Bevölkerung mit ihrem wissen Nutzen kann um sich selber ein Raumschiff nach Anleitung zu bauen. Ein Verständnis der einzelnen Vorgänge ist dabei nicht notwendig.

Grundsätzlich soll somit ein veränderbares Raumschiff entstehen, welches auf die emotionalen Bedürfnisse eingeht und durch einfachen Aufbau für einen möglichst Großen Teil der Bevölkerung zugänglich ist. Um Ressourcen zu schonen soll es lediglich für Strecken im All gemacht sein und die Atmosphäre von Planeten durch Hilfe eines Trägerflugzeugs zu passieren. Somit können Aspekte der Aussteifung, welche wegen der in der Atmosphäre erzeugten Kräfte notwendig sind, etwas vernachlässigt werden. Das ist relativ wichtig für das funktionieren eines simplen und verstellbaren Systems. Für den Transport ins All kann das Raumschiff „zusammengefaltet“ werden.

Bezogen auf den Entwurf wollte ich ein tragendes System von gleichen Bauteilen benutzen um den Aufbau, Transport, Reparatur und Variabilität zu verbessern. Dieses System hat ebenfalls nur eine Art von Verbindung, nur die Anzahl der verbundenen Teile variiert. Neben dem Haupttragwerk gibt es noch Teile für die Dachkonstruktion, sowie die Dachkonstruktion selber, welche aus einer Plane besteht. Diese Plane hat die größten technischen Anforderungen, da sie die Hülle des Raumschiffs bildet und dieses somit vor den Einflüssen der Umwelt schützen soll. Es besteht aus einem transluzenten Stoff, welcher zu 40% durchsichtig ist und somit die Umwelt des Weltalls zeigt und möglicherweise Sonnenlicht reinlässt. Auch das zeigen des Aussenraums ist wichtig um sich trotz erzeugen von Erderinnerungen mit dem Raum des Weltalls auseinanderzusetzen. Denn eine Kapsel, welche zwar die Erde nachahmt, jedoch den Aussenraum komplett verbirgt, wird Probleme der Verdrängung hervorrufen und könnte zu einer zu großen Diskrepanz zwischen emotionaler und rationaler Wahrnehmung führen und somit die Objektivität der Besatzung enorm schwächen. Die 60% der sichtbaren Decke soll mit LED’s bestückt einen Himmel einblenden, welcher an die Erde erinnert. Diese Verhältnis von erzeugtem Himmel, welcher dem Innenraum auch eine Gewisse Rahmung gibt, im Vergleich zur Unendlichkeit des Weltalls sollte den Nutzern

Geborgenheit und Erinnerung an die Erde geben. Der Anteil von einfallendem Sonnenlicht gibt Energie und ebenfalls Erdbezug, wobei der Anteil von sichtbarem Weltraum eine Wahrnehmung des sich befindlichen Ort erzeugt. Somit sollte eine gute Balance aus Geborgenheit und Auseinandersetzung mit fremden Raum entstehen. Die Form des Zeltdachs gibt nicht nur gleichzeitig eine eindeutige Raumgröße für die Geborgenheit und gleichzeitig Höhe und Offenheit des Raums durch die Fluchen, sondern erzeugt auch eine Art Willkür und Natürlichkeit durch sichtbares Fallen des Stoffes, was einer Machine eigentlich widerspricht und knüpft an die noch zu einem kleinen Teil in uns befindliche Erinnerung an ein Zelt, die simpelste Form einer Behausung. Im Falle eines adaptiven Systems von Mehreren Raumschiffen, würde die Form ebenfalls eine Berglandschaft von aussen ergeben und auch beim Ausblick ins All, Erderinnerungen hervorrufen.

Auch die dauerhafte Gleichförmigkeit eines Raumes ist unnatürlich und belastet die Psyche auf längere Zeit, besonders wenn der Raum sehr begrenzt ist wie bei den meisten Transportmitteln. Deswegen sollte das System des Raumschiffes veränderbar sein, um somit den Raum zu personalisieren und das möglichst in seiner Gesamten Aufteilung und Raumwirkung. Die Flächen, welche durch das Gerüst entstehen können ihre Form verändern und somit völlig neue Räume enstehen. Das wichtige hierbei ist, dass die Veränderung der Räume nicht komplett unabhängig funktioniert, wie es oft bei Modernen Maschinen ist, sondern es ein Zusammenhängendes System von sich beeinflussenden Faktoren ist wie es auch in der Natur vorherrscht. Sobald sich ein Raumverhältnis ändert, tun es die anderen Räume auch in ähnlicher weise. Dadurch entsteht ein Eindruck von natürlichen Vorgängen und das gesamte Raumverhältnis bleibt ähnlich um nicht ein Gefühl eines komplett neuen Raums zu erzeugen. Man befindet sich im selben, geborgenen Raum, lediglich seine Gestalt hat sich verändert, wie es die Jahreszeiten oder Zeitalter mit der Erde tun. Die Veränderung des Raums hilft gegen Eintönigkeit, macht den Raum aber auch anpassungsfähiger für individuelle Nutzung. Bei den „Terrassen“ im Zentrum ist sogar eine Wesentliche Vergrößerung der Fläche möglich, wobei Luftraum und Offenheit verloren geht.

Das Material sollte ebenfalls an die Erde erinnern und möglichst natürlich gehalten sein. Hierbei sollte moderne Transporttechnik helfen, das Gewicht von Holz sinnvoll in den Orbit zu befödern. Auch wenn das Haupttragwerk aufgrund von Stabilität aus Carbon bestehen sollte, wäre eine Verkleidung von Holz sinnvoll um den Nutzern ein Gefühl von Objekten der Erde zu geben. Kleinere Teile sollten komplett aus Holz bestehen, wie auch der Boden. Somit würde der Nutzer sich auf natürlichen Materialien Befinden und auf die Decke von moderner Technik schauen. Das spiegelt das Verhältnis der Transluzenz und der Auseinandersetzung mit Erderinnerungen und dem sich befindlichen Raum wider. Im Zentrum des Ganzen soll ein Baum stehen, um welcher zusammen mit der Raumhöhe an dieser Stelle den offensten Punkt bildet. Zu beiden Seiten hin wird die Raumhöhe niedriger um einen Verlauf von Wohnen zu öffentlichem Raum zu schaffen.

Die Wirkung sollte somit einerseits einem großen Zelt unter echtem Sternenhimmel des Weltalls gleichen und gleichzeitig eines Parks mit Raumschaffendem, technisch Erzeugtem Erdhimmel. Eine Mischung aus Offenheit und Geborgenheit.

Das verstellbare System soll natürliche Prozesse der Erde nachahmen und somit Monotonie und der sterilen Atmosphäre einer Machine entgegenwirken. Gleichzeitig passt es sich an den Nutzer an und hilft bei Zeiteinschätzung über die Dauer einer Reise durch einen an die Erde erinnernden, zusammenhängenden Zyklus, ähnlich wie bei Jahreszeiten. Eine Mischung aus Bekannten und Unerwartetem.

Die Balance schafft emotionale Ausgeglichenheit und macht die Extreme einer Raumfahrt und der modernen Technik verträglicher.

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