Text research – Das Recht als Einheit von Ordnung und Ortung – Carl Schmitt

von Julia Gillessen und Alena Vollmers-Dünnebacke


"Das Recht als Einheit von Ordnung und Ortung" von Carl Schmitt

Der im Jahr 1950 erschienene Aufsatz von Carl Schmitt entsteht nach seiner Zeit in Lagerhaft der Nachkriegszeit. Der Rechtswissenschaftler gliedert seine Ausführungen zum Thema „Recht“ im Wesentlichen in sieben Sinnabschnitte. 

Zunächst beginnt Schmitt mit der Beschreibung der Erde. Die Erde gilt als „dreifache Wurzel von Recht und Gerechtigkeit“. Darunter fallen drei Eigenschaften der Erde. Die Erde birgt Recht und Gerechtigkeit an sich (sie ist fruchtbar und durch den Einsatz von Arbeit und Samen erntet der Mensch Lohn). Die Erde zeigt Recht und Gerechtigkeit an sich (bearbeitete Äcker zeigen Linien, bilden Grenzen zu anderen Nutzungen, wie Wäldern, und zeigen so die unterschiedlichen Regeln der Fläche). Die Erde trägt es auf sich (sie besitzt Zäune und Mauern die der Öffentlichkeit als Mal dienen und Formen von Macht und Herrschaft bilden). 

Im Kontrast von Recht und Gerechtigkeit der Erde steht das Meer, welches  Schmitt fortfolgend beschreibt. Das Meer ist keine Einheit von Raum und Recht, es ist frei. Das Meer besitzt keinen Charakter wie die Erde. Zwar gibt es auch hier Reichtümer, die das Meer „an sich birgt“. Diese sind jedoch ohne den Einsatz von Arbeit und Samen vorhanden. Auf dem Meer sind zudem verschiedene Aktivitäten möglich, die nebeneinander in geschehen können, wie die Schifffahrt, Fischerei oder Kriegsführung. Die Konsequenz der fehlenden Ordnung und Ortung ist hier jedoch, dass die Aktivitäten nicht zeitgleich am selben Ort geschehen können und Konflikte entstehen. 

Der Vergleich zwischen Erde und Meer zeigt: Die Erde mit Charakter, herrschendem Recht und Ordnung, verbunden mit Herrschaft und Macht. Und das charakterlose Meer, ohne Möglichkeit der Hegung von wilden Wellen, ohne Grenzen mit Konfliktpotenzialen. 

Das Recht entstand also auf der Erde, dem Land. Die „Landnahme“ als „erdgebundene Ortung“ ist somit ein Urecht, das erste Recht welches existierte. Daraus resultieren die ersten rechtlichen Ansprüche, wie Stadtgründung und Kolonialgründung und alle weiteren, ableitbaren Rechte. Schmitt unterscheidet dabei in zwei Arten der Landnahme. Die Landnahme von innen (Erste Bodenteilung innerhalb einer Stadt, Grenzbildung zwischen Privat und Öffentlich innerhalb eines Volkes) und die Landnahme von außen (Erweiterung des Territoriums auf dem Land eines anderen Volkes oder eines herrenlosen Stück Land). 

Weitere Ausführungen zum Urrecht der Landnahme kommen von den Philosophen Kant und Locke. Kant beschreibt als erstes Recht den Bodenerwerb welches er als Eigentum beschreibt und welches dann weiter aufgeteilt werden kann in öffentliches Eigentum oder privates Eigentum. Kants Kritik daran ist das „Mein und Dein“ als „kein positives Recht im Sinne einer staatlichen Verfassung“. Locke beschreibt statt einem Eigentum eine „Landherrschaft“, bei welchem ein Herrscher Macht über ein Land ausübt ohne hierbei öffentliches Recht zu erwähnen. Schmitts Kritik an Lockes Ausführungen sind vor allem, dass dieser als liberaler Engländer eine mittelalterliche Definition hervorbringt, welche nicht mit der Modernen übereinkommen kann. Schmitt bezeichnet beide Definitionen von Landnahme als überholt, „nicht mehr modern“. 

Nachdem Schmitt das freie Meer und die rechtsgebundene Erde ausgeführt hat, leitet er über in die dritte Dimension, die Luft. Während aus der Landnahme das Urrecht auf der Erde entstand und das freie Meer parallel dazu existierte, etablierte sich zu Beginn des 19 Jahrhunderts die dritte Dimension durch den technischen Fortschritt. Neben einem Leben auf der Erde eröffnet sich eine neue Welt, in welcher es möglich ist, Leben zu etablieren. Schmitt stellt hierzu fest, dass es denkbar ist dieser dritten, neuen Dimension die Chance zu geben ebenfalls neben der Erde und dem Meer zu existieren, und ebenfalls parallel, unabhängig von ihnen, zu stehen.

So stellt er die Frage ob es denkbar ist, in Zukunft in der dritten Dimension zu leben und die Erde letztendlich nur noch als Flugzeugträger und Rohstofflager zu verwenden. Bemerkt aber auch, dass eine neue Form von Recht gleichzeitig möglich sei und die überholten, nicht mehr zeitgemäßen Entwicklungen der Erde neu zu überdenken, indem im All ein Leben auf „Freundschaftslinien“, in Frieden möglich sei. 

 

 

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