Stefanie Gebhart | SoSe25
Ein alltäglicher Gegenstand wird zum Ausgangspunkt einer Reise, auf der Beobachtung zu Raum, Raum zu Haltung und Haltung schließlich zu einer tragbaren Form wird.
Transformieren.
Transformieren bedeutet, etwas in eine neue Form zu bringen, den Zustand oder das Erscheinungsbild zu verändern oder auch etwas in andere Zusammenhänge zu überführen. So kann zum Beispiel ein Gedanke in Sprache transformiert oder ein Objekt zur Idee werden.
Dieser Entwurf markiert eine entscheidende Erfahrung, die ich bereits zu Beginn meines Architekturstudiums machen durfte. Er entstand aus der Aufgabe, ein Objekt jeglicher Art zu beobachten, zu analysieren und daraus Architektur zu entwickeln. Was zunächst abstrakt klang, wurde zu einer tiefgreifenden Übung in Wahrnehmung und Vorstellungskraft. Ich lernte daraus, dass Entwerfen mit dem Sehen beginnt und mit der Fähigkeit, Dinge aus dem gewohnten Kontext zu lösen und neue Bedeutungen darin zu erkennen.
Fokussieren.
Aus einem banalen Gegenstand entstand ein architektonischer Raum für einen temporären Aufenthalt. Die Entwicklung war geprägt von der Idee des Fokus: Ein rundes Fenster (abgeleitet von der Form des Deckels), fast wie ein Fernrohr, wurde zum zentralen Element des Gebäudes. Es steht für Ausblick und Weitblick, zum einen nach draußen in die Natur und zum anderen nach innen zum eigenen Denken. Der Raum ist ein Rückzugsort, der Klarheit, Konzentration und Stille ermöglicht. Durch das Fokussieren und die Hingabe entstehen neue Perspektiven und eine Lösung für jede Situation.
Vertikale Elemente erzeugen einen Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Bereichen. Licht lenkt und filtert die Atmosphäre, schafft ein Zusammenspiel von Privatsphäre und Transparenz. Das Ausgangsobjekt zeichnet sich sowohl durch seine Funktion als auch durch seine Form (das Rohr mit dem geschwungenen Übergang zum Körper/Motor) durch eine besondere Dynamik aus. Diese Dynamik wurde in den Entwurf übertragen, wodurch die Erschließung zum Gebäude und auch innerhalb des Gebäudes durch geschmeidige Übergänge und Bewegungsflüsse geprägt ist. Die Grundrisse sind reduziert und individuell und fördern die Auseinandersetzung mit dem umgebenden Standort. Die Konstruktion erlaubt eine einfache Montage vor Ort mit möglichst geringen Eingriffen in die Natur und ist temporär. Der aufgeständerte Körper nimmt der Tierwelt nur wenig Lebensraum und schafft kaum Barrieren. Die Architektur wirkt nicht laut – sie beobachtet und konzentriert. Sie ist da, ohne sich aufzudrängen.
Verkörpern.
Diese Haltung prägt auch das Kostüm, das aus dem Entwurf hervorging. Es ist eine verkörperte Architektur und dabei tragbar, modular und (fast) vollständig aus recycelten Materialien. Es schützt und öffnet zugleich, folgt der Form der architektonischen Gestalt und überträgt das Prinzip des Fokussierens in den Körper. Das Kostüm wird zur zweiten Haut, zur begehbaren Idee. Es erzählt nicht nur von der Architektur, sondern von den Gefühlen, die erzeugt werden. Zugleich thematisiert das Kostüm das Verhältnis zur Umgebung: Es ordnet sich ein. Das Kostüm ist sichtbar, aber zurückhaltend. Ein wenig auffällig in der Form, aber respektvoll im Verhalten.
Dieser Stegreif war für mich eine Rückkehr zu meinem ersten architektonischen Gedanken. Ich wurde daran erinnert, den eigenen Blick zu schärfen und offen für neue Bedeutungen zu bleiben. Er hat mir gezeigt, dass eine Haltung in eine konkrete sichtbare Form übersetzt werden kann, wodurch Architektur persönlich, körperlich und emotional erfahrbar wird. So habe ich nicht nur eine Form entworfen, sondern eine Haltung entwickelt und diese durch Beobachtung in einen Raum verwandelt, welcher schließlich zur körperlichen Erfahrung wurde. Und dabei geht es um weit mehr als Perfektion.








