Kostüme als gebaute Visionen

Metin Adiyaman


die Verbindung zwischen Körper, Raum und Konstruktion

Der ursprüngliche architektonische Entwurf orientierte sich stark an biologischen Strukturen und der Organisation lebender Systeme. Inspiriert von der Anatomie von Organismen entwickelte sich eine Brücke, deren Form und Gliederung an eine dekonstruierte Wirbelsäule erinnert – ein tragendes, verbindendes Element des Körpers, das Stabilität und Beweglichkeit zugleich ermöglicht.

Diese zentrale Idee habe ich auf textile Ebene übertragen: Das Kostüm besteht aus einem Hemd mit einer sichtbaren, aufgenähten Wirbelsäule am Rücken. Darüber liegt ein Mantel, dessen Rückseite ausgeschnitten ist – ein bewusster Bruch mit der typischen Schutzfunktion des Kleidungsstücks, der die darunterliegende Struktur freilegt und den Fokus auf das tragende Element lenkt. Die Wirbelsäule wird so zur sichtbaren Verbindung zwischen Innen und Außen, zwischen Körper und Raum.

Ein weiteres zentrales Gestaltungsmotiv ist die Kordel, die als abstraktes Symbol für die verbindende Funktion der Brücke steht. Sie zieht sich durch verschiedene Ösen am Mantel, überkreuzt den Körper, schafft Spannung und hält die textile Architektur zusammen. Sie verbindet die Fragmente, führt durch den Raum des Körpers und erzeugt Dynamik im Stillstand.

Mit diesem Projekt wollte ich die Wechselwirkung zwischen Architektur und Fashion Design untersuchen – zwei Disziplinen, die beide den Raum um den Menschen gestalten, ihn definieren, strukturieren und interpretieren. Das Kostüm wird zur miniaturisierten Architektur, der Körper zur tragenden Struktur. Die textile Gestaltung fungiert dabei nicht nur als Hülle, sondern als bauliches System, das Identität formt und Raum erzeugt.

Der Entwurf bewegt sich bewusst an der Grenze zwischen Mode und gebautem Raum. Er versteht Kleidung als textile Architektur, als Medium, das Körper, Struktur und Bewegung miteinander verschränkt. So wird das Kostüm nicht nur zur Erweiterung des Körpers, sondern auch zur begehbaren Vision eines architektonischen Konzepts: verbindend, tragend, offen und zugleich schützend.

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