Ort am Nicht-Ort

von Florian Baumann


„ ….Dadurch kann ein Raum klare Grenzen haben, genau so aber auch undefiniert sein.“

Sind Transiträume so geschaffen, dass sie nicht anders genutzt werden können?
Was passiert wenn man Ort-Aktivitäten an einem Nicht-Ort ausübt?

Transit bedeutet, dass etwas durch etwas transportiert wird, wie zum Beispiel Menschen oder Güter durch ein Drittland. Es handelt sich also um eine Durchreise durch einen Ort ohne Halt oder Erreichen eines Ziels an diesem Ort.

Ein Raum ist in der Architektur ein umbauter Raum, aber auch ein nicht umbauter Raum, wie zum Beispiel ein Freiraum. Dadurch kann ein Raum klare Grenzen haben, genau so aber auch undefiniert sein.

Ein Ort ist eine besondere Stelle, besonderer Platz (innerhalb eines Raumes). Ein Transitraum ist demnach also ein umschlossener oder auch freier Raum, der stark mit dem Mobilitätsaspekt verbunden ist. In der Regel ist es kein Aufenthaltsort, sondern ein Durchfahrtsort, der von vielen Menschen für einen (vergleichsweise) kurzen Moment genutzt wird.  Somit besteht an diesem Ort eine konstante Bewegung, da dieser nur genutzt wird, um an einem anderen Ort das Ziel zu erreichen. Transiträume werden u.a. von Augé als „Nicht-Orte“ beschrieben, was Orte ohne Beziehung zu ihrem unmittelbaren Kontext sind. Dort könne man nur durch Zugangsberechtigungen hin gelangen und es seien Orte der Mobilität und Geschwindigkeit. Der Zugang zu diesen Orten könne teilweise beschränkt oder verboten sein. Menschen gingen dabei oft eine bestimmtes Verhaltensmuster ein, eine „solitäre Vertraglichkeit“. Sie würden sich so in einer solitären Anonymität bewegen. Dabei komme es zu einem beschleunigten Verlassen des Transitraumes, was den Geschwindigkeits- und Mobilitätsaspekt verstärkt.

Aus meiner Sicht können Transiträume aber auch frei zugänglich sein, so wie der von mir ausgewählte Raum. Dieser stellt eine Verbindung und eine wichtige Lebensader der Umgebung dar. Transiträume stellen also auch ein Bindeglied im urbanen Netzwerk dar, ohne die man an einem Ort gefangen wäre. Somit sind Transiträume notwendig für die Freiheit in der Bewegung und Mobilität.
Jedoch besitzen manche Transiträume ein größeres Potential als nur Bewegung und Mobilität. Die Gestaltung meines ausgewählten Transitraumes ermöglicht nur die schnelle Bewegung. Der sehr schmale Bürgersteig in der sehr beengten Umgebung veranlasst
die Menschen dazu sich schnell fortzubewegen, um diesen Ort verlassen zu können. Mit meiner Performance sollen in diesem Transitraum Alltagssituationen, die an „Orten“ stattfinden, an dem Transitraum, an einem „Nicht-Ort“, abgehalten werden.
So wird verdeutlicht werden, dass die einseitige Gestaltung der Transiträume gar keine andere Nutzung zulässt, als die Bewegung und das Verlassen des Raumes. Es wird von mir erwartet, dass meine Performance, die nicht an diesen Ort passt, zu Störungen führt. Der Transitraum kann nicht mehr als solcher einwandfrei genutzt werden. Welche Auswirkungen diese Blockade – ich als Hindernis, als Anomalie – habe, soll in Bildfolgen mit verschiedenen Szenen gezeigt werden.
Standort: Niderkasslerstr. 12-14, 53842 Troisdorf Spich.

Meine Erfahrungen waren, dass man sich sehr fehl am Platz gefühlt hat. In diesem Transitraum sich nicht zu bewegen und stattdessen zum Beispiel sich auf einen Stuhl zu setzen und zu lesen, erscheint einem skurril, ungemütlich, falsch. Insbesondere wenn andere Fuß-
gänger an einem sich vorbei zwängen, Autos und Busse vorbei fahren, fühlt man sich so, als würde man alles aufhalten und behindern.
Zudem werfen einem die Menschen fragende, verwunderte und komische Blicke zu, da dieser Anblick ungewöhnlich und unnormal für diesen Ort ist. Wie zu erwarten war ich ein Hindernis für die Menschen auf dem Bürgersteig. Man konnte beobachten, dass die
Menschen, wenn es ihnen möglich war, auf die Straße ausgewichen sind. Ansonsten haben sie sich gezwungenermaßen an mir vorbei gezwängt. Auch Autos und insbesondere die Busse haben ihre Geschwindigkeit verringert. Ein Grund ist vermutlich auch, der ungewöhnliche Anblick, aber auch dass der Bürgersteig noch enger erscheint und nicht viel Platz bis zum Fahrzeug ist. Insgesamt war es ein eher beklemmendes und unangenehmes Gefühl an diesem Ort die Menschen zu blockieren und den Fluss der Bewegung aufzuhalten. Für mich bedeutet das, dass die Unterführung als reiner Transitraum gestaltet wurde. Eine andere Nutzung oder Aufenthalt wäre undeckbar. Eine mögliche andere Gestaltung könnte dies verändern, den Nicht-Ort womöglich zu einem Ort werden lassen.
Der Transitort: Es handelt sich um eine Unterführung unter dem Bahnhof und Bahngleisen, welche den PR-Platz und den südlichen Stadtteil mit dem nördlichen Stadtteil, Busbahnhof, PR-Platz, Fahrrad-Parkplatz und dem Eingang zum Bahnhof verbindet. Somit gibt es ein hohes Verkehrsaufkommen von Bussen, Fahrrädern, Autos, Lieferverkehr, Personen, die sich durch die einspurige Unterführung bewegen.

Share on:
Facebook Twitter Email

RSS